Kapitel zehn
Wir waren schon so lange unterwegs gewesen, dass wir die Gefahr ganz aus den Augen verloren hatten. Doch jetzt war sie plötzlich ganz nahe. Lucas und Kamit stiegen aus einem schwarzen Audi kamen langsam und ganz entspannt auf uns zu.
Ich hörte wie Arvid einmal tief durchatmete und feste meine Hand drückte.
„Hallo ihr zwei. Ihr seht ja richtig braun aus. War es schön in der Natur?", begrüßte uns Kamit und schüttelte uns beiden höflich die Hand.
„Ja es war eine tolle neue Erfahrung von einer riesigen Gemeinschaft gejagt zu werden und Angst zu haben in Gefangenschaf zu geraten...", gab Arvid sarkastisch zurück und Lucas und Kamit begannen höflich zu lachen.
Lucas sah gut aus. Er trug ein schwarzes Hemd und eine Anzugshose. Seine Haare waren abrasiert und er hatte einen Dreitagesbart, was ihm schon immer gut gestanden hatte. Als er bemerkte wie ich ihn beobachtete grinste er kurz.
Ja er war immer noch sehr attraktiv aber meine Gefühle lagen definitiv bei Arvid der jetzt kurz zu mir blickte.
Mit einem verhaltenen Lächeln sprach die Chefin der Dayagemeinschaft weiter: „Ja es tut uns Leid euch solche Umstände gemacht zu haben. Aber wir sind froh euch nun persönlich zu begegnen, denn wir haben für euch gute Neuigkeiten. Wahrscheinlich fragt ihr euch auch wie wir euch gefunden haben oder?"
Ich nickte und Lucas übernahm das Wort: „Ich habe Eva in der Schule getroffen und war mit ihr und Maja in einem Club tanzen. Dort habe ich in Evas Tasche geschaut und einen Zettel mit Koordinaten gefunden. Eva hat es gar nicht bemerkt. Oh man Medina wie konntest du dieser 18 Jährigen vertrauen."
Mitleidig blickte er auf mich hinunter und es stieg wieder Wut in mir auf. Er dachte also immer noch er wäre viel besser und schlauer als ich! Dieser 500 Jährige Arsch!
Ich sah auch wie es in Arvid arbeitete. Er hatte mir eigentlich auch verboten die Koordinaten weiter zu geben. Nur Nele durfte es wissen.
„Ja deine beste Freundin war sehr hilfreich für uns", sagte Kamit und fuhr dann fort, „Kommt wir setzen uns einmal in das Restaurant und ich werde euch alles weitere sagen. Ihr müsst jedenfalls keine Angst vor uns haben. Der Haftbefehl gegen Arvid wurde erst mal fallen gelassen. Ihr könnt ja nicht immer in einer Höhle leben."
Lucas lachte arrogant: „Haha ja stimmt in einer Höhle wie Höhlenmenschen."
Er verachtete uns total. Also so schnell konnte ich von seiner größten Begierde zu Abschaum werden! Ja da war ich ja froh nicht mit ihm zusammengekommen zu sein. Da konnte er noch so hübsch sein!
Wir setzten uns in dem Bistro an einen Fenstertisch und Lucas und Kamit wirkten in ihren schicken Businessoutfits so fehl am Platz.
„Also ich komme gleich zur Sache", sagte Lucas und nippte einmal an seiner Cola, „Ich werde die Verbindung mit Maja eingehen."
Arvid und ich blickten uns ungläubig an und er sprach das aus was ich mir auch dachte: „Mit Maja?! Denkst du wirklich sie ist für diese Position geeignet? Habt ihr überhaupt die passenden Werte?"
„Ja das haben sie", antwortete Kamit und tippte auf ihrem Handy herum, „Zwar bei weitem nicht so gut wie Medina und Lucas aber es wird klappen. Außerdem sind die beiden schon eine körperliche Verbindung eingegangen sie haben als eine gewissen Anziehung."
Kamit beschrieb Sex so sachlich, dass ich leise kichern musste und laut dachte: „Ja die Körperlichkeit war ihnen vor paar Monaten schon sehr wichtig."
Lucas blickte so wütend zu mir hinüber, dass ich mir noch mehr das Lachen verkneifen musste.
Kamit fuhr ohne Umschweife fort: „Sie wird sich sehr gut an das System anpassen können, kommt aus einem einflussreichen Elternhaus und ist nach dem Tod von ihrem Exfreund sehr offen gegenüber einem neuen Lebensabschnitt."
Sie hatte Marcus erwähnt! Einfach so in einem Nebensatz hatte sie den Mord an Marcus erwähnt! Er hatte Marcus erwürgt! Vor meinen Augen hatte er meinen Freund einfach ermordet um MICH zu bekommen! Marcus war im Weg um MICH zu bekommen. Und in ihrer scheiß Gemeinschaft gab es keinen Prozess gegen einen Mörder! Dieser Mörder ließ den Tod seines besten Freundes einfach zu hinter sich und schnappte sich die nächste die mit ihrem Blut zu seinem passte.
Arvid sah die unglaubliche Wut in meinen Augen, sah wie sich sich meine Hände ballten, fühlte meinen Zorn. Er strich langsam über meinen Rücken. Ich musste mich beherrschen, wir mussten weiterreisen.
Arvid sah die unglaubliche Wut in meinen Augen, sah wie sich sich meine Hände ballten, fühlte meinen Zorn. Er strich langsam über meinen Rücken. Ich musste mich beherrschen, wir mussten weiterreisen.
„Bleib leise", hörte ich seine Stimme in meinem Kopf, „Wir sind bald hier weg. Ich verspreche es dir. Wir verlassen diese Gemeinschaft."
Mit großen Augen blickte ich zu ihm herüber. Er grinste mich an und ich schmunzelte.
„Ist das wegen der Verbindung?", dachte ich gezielt den Satz und dachte an Arvid.
Wenig später nickte er und griff nach meiner Hand. Eine Ruhe breitete sich in mir aus und ich fühlte mich wohlig warm.
„Ja ich denke jetzt wäre der beste Zeitpunkt um die Verbindung mit Maja einzugehen. Sie hat ein großes Vertrauen zu dir nach euren mehrmaligen Treffen. Sie ist eine gute Kandidatin", stimmte mein Freund Kamit und Lucas zu, „Wann werden denn die Feierlichkeiten sein? Wir würden uns freuen auch dabei zu sein."
Ich stimmte ihm mit einem Nicken zu und Lucas sah sehr verwundert aus.
„Also ich werde ihr auf dem Abschlussball einen Antrag machen und die Verbindung wird im September stattfinden. Wenn ihr möchtet könnt ihr natürlich kommen. Ihr gehört ja zu der Familie", lud er uns höflich ein und ich nahm die Einladung genauso gespielt höflich natürlich an.
„Wir kommen gerne Lucas und ich freue mich auch schon sehr auf den Abschlussball. Dort werde ich natürlich auch dabei sein. Wir hätten ja eigentlich miteinander getanzt, genauso wie ich gerne mit Marcus getanzt hätte aber Arvid ist jetzt sicher sehr froh darüber mich für sich zu haben oder Schatz?" Mein ironischer Unterton brachte Arvid zum lachen und Lucas und Kamit dazu uns noch finsterer anzusehen.
„Ja meine Prinzessin ich bin sehr glücklich mit dir Ballkönig und Königin zu werden", schmunzelte er und küsste mich provokativ auf den Mund.
„Für solche Kindereien habe ich jetzt keine Zeit. Lucas, Arvid und Medina bleibt bitte sachlich", stöhnte Kamit und jetzt musste Lucas das erste mal auch Lachen und für einen kurzen, sehr kurzen Moment war es wie früher.
„Also was möchtest du uns noch wichtiges sagen Kamit?", erkundigte sich Arvid und wir alle wurden bei Kamits ernsten Blick wieder ganz still.
Sie fuhr also fort: „Arvid jetzt wo du von allen Punkten frei gesprochen bist und offiziell mit Medina die Verbindung eingehen könntest würde ich dich bitten zum Militär zurück zu kehren. Du warst immer ein wichtiges Mitglied in unserer Gemeinschaft und deine Familie hat sehr großes Ansehen. Du könntest einen hohen Posten bekommen und ein wunderbares Quartier mit Medina beziehen. In der höchsten Ebene leben und euer Daya Kind hätte perfekte Bildung."
„Wir möchten nicht mehr Teil dieser Gemeinschaft sein Kamit. Jedenfalls jetzt nicht. Wir möchten erst einmal reisen und noch etwas von der Welt sehen", gab Arvid ehrlich zurück und die beiden wirkten wenig überrascht.
„Gut aber kommt spätestens bei einer möglichen Schwangerschaft zurück. Wir sind uns nämlich mit deinen Kräften immer noch nicht sicher inwieweit sie weiter gegeben werden Arvid." Jetzt wirkte Kamit ganz ruhig und gelassen. Sie hatte jetzt ja mit Maja etwas Beruhigung in ihrem Job.
„Gut dann sehen wir uns auf dem Ball Lucas?", fragte ich und er nickte. Nicht einmal entschuldigte er sich! Nicht einmal!
„Gut dann hoffentlich bis bald", verabschiedete sich Arvid und stand auf, sanft zog er mich hinterher.
„Ja wir würden uns auch freuen", meinte Lucas und wir schüttelten uns alle die Hand.
Bald, ohne Komplikationen, saßen wir wieder im Auto auf den Weg Richtung Küste.
Arvid meinte immer wieder, dass wir trotzdem auf der Hut sein müssten denn den beiden sei nicht zu trauen. Ich spürte seine unruhigen Gedanken und blickte nachdenklich aus dem Fenster. Mein Kopf fühlte sich ganz schwer und heiß an, hatte ich jetzt auch noch Fieber?
Ich ließ meine Stirn an die Scheibe sinken und es war so so angenehm kühl, dass ich seufzte.
Arvid blickte besorgt zu mir herüber und legte seine Hand auf meinen Oberschenkel.
„Alles wird gut Baby", dachte er und ich griff langsam nach der Hand.
Meine Gedanken drehten sich von Marcus, zu Arvid, zu Lucas, zu meinen Freunden, zur Angst vor Kamit. Wie ein Tischtennisball flog ich hin und her.
Bis ich bei einer Geschichte in meiner Vergangenheit hängen blieb die mir ein gutes Gefühl machte und die Gedanken kamen mir so real vor...
„Bitte Baby mach dir nie mehr Sorgen um Geld", sang ich damals in das Karaoke Mikrofon und Marcus und Eva applaudierten laut. Lucas saß hinter mir und grinste mich breit an.
„Gut gemacht Prinzessin", lobte er mich als das Lied vorbei war und ich grinste ihn breit an.
„Danke Lucas. Möchtest du auch?", bot ich ihm das Mikro an, doch er schüttelte den Kopf.
Wir mussten etwa 16 gewesen sein zu dem Zeitpunkt, es war ein Jahr bevor ich nach Amerika gegangen war.
„Rauchen wir kurz eine?", fragte mich da Marcus und jetzt wusste ich in der Realität welche Erinnerung das war. Freude erfüllte mich in Arvids Auto und ich entspannte mich.
Ich nickte in Gedanken und wir verließen das Wohnzimmer hinaus auf den Balkon.
Eva zwinkerte mir davor noch grinsend zu.
Er zitterte leicht als er mir eine Zigarette hinüber geben wollte und ich nahm sie dankend an.
Nervös nahm er ein, zwei Züge und sagte dann: „Medina ich...ich mag dich sehr."
Verwundert blickte mein 16-Jähriges Ich zu ihm hinüber und zog an der Zigarette.
„Ich mag dich auch wir sind ja schon lange Freunde."
Er schüttelte den Kopf und kam näher auf mich zu: „Medina was ich damit sagen wollte...Ich liebe dich."
Sofort schmiss ich die Zigarette hin und küsste ihn. Wie lange hatte ich damals auf diesen Moment gewartet! Mindestens zwei Jahre! Marcus wusste gar nicht wie ihm geschah und ließ sich von mir zurück drängen.
„Ich liebe dich auch", flüsterte ich zwischen zwei Küssen und Marcus grinste breit.
„Medina!!! Medina wach auf wir sind da!!!", hörte ich Arvids Stimme ganz ganz weit weg.
„Arvid", flüsterte ich leise, „Ich will nicht aufwachen hier ist es so schön. Ich bin Zuhause."
„Scheiße man du bist ganz heiß", stöhnte er verzweifelt und ich drehte mich hin und her.
„Will schlafen", maulte ich, doch er hielt mich fest.
„Komm Medina schau mich an. Ich bin da", flüsterte er und ich öffnete meine Augen. Alles war verschwommen und Arvid sah sehr traurig aus. Schnell schloss ich die Augen wieder und es war schön dunkel und warm.
„Ich seh nicht richtig", murmelte ich, „Alles unscharf."
Verzweifelt strich mir mein Freund den Schweiß von der Stirn und küsste mich.
„Bleib ganz ruhig es ist etwas ganz normales bei...bei...Partnern einer Daya...bleib ganz ruhig ich...ich telefoniere kurz."
Die Fähre auf der wir mit dem Auto waren schwankte hin und her und ich klammerte mich an Arvids Hemd.
„Hallo hier ist Arvid. Ich und meine Partnerin sind gerade auf dem Weg zu ihnen. Ja genau der Mensch mit Kräften.
Meine Partnerin hat gerade hohes Fieber können sie in 10 Minuten mit einem Arzt und einer Trage an der Küste sein? Oh...oh super danke! Ja wir freuen uns auch schon auf sie", telefonierte mein Freund und küsste mich dann auf die Stirn.
„Es wird alles gut Schatz. Sie kennen sich aus", flüsterte er und ich kuschelte mich an ihn.

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