Kapitel zwei

„Was hat es zu bedeuten? Kann es sein, dass sie uns anerkennen?", fragte ich hoffnungsvoll meinen Freund und kuschelte mich an seine Brust.
Er schüttelte traurig den Kopf: „Lucas ist mächtig und klar ich bin sein Bruder aber wenn es um dich geht wird er niemals nachgeben. Dayas sind außerdem über mir im Rechtssystem auch wenn ich mehr Daya bin als gedacht bin ich immer noch ein Mensch."
Ich nickte traurig und rutschte ein Stück von ihm weg.
Dann kam mir etwas, was ich mir noch nicht ganz erklären konnte: „Warum sind wir noch nicht in einer kompletten Verbindung obwohl du mich geküsst hast? Lucas wollte mich doch nie küssen, damit ich mich nicht an ihn binde..."

Arvid setzte sich im Schneidersitz mir gegenüber und meinte, dass wäre schwer zu erklären aber er könne es mir zeigen.
„Weißt du Medina es geht bei der Verbindung darum, dass sich die DNA miteinander verbindet. So wie zum Beispiel bei einem Baby, nur eben in deinem Blut." Er verschränkte seine Finger mit meinen.
„So wie unsere Finger hier. Sie sind so fest miteinander verbunden, dass man sie nicht mehr voneinander trennen kann. Dazu kommt dann, dass alles drum herum nebensächlich wird." Er wischte die Blätter, Steine und Erde die um unsere verschränkten Händen waren weg und nun lagen sie nur auf nacktem Stein. 
„Das geht aber nur", er ließ meine Hand los.„Wenn sich die DNA genau trifft. Dafür sind große Mengen nötig die beim normalen küssen in der Regel nicht übertragen werden können. Deswegen gibt es in den modernen Gemeinschaften Injektionen um die Verbindungen zu sichern. Aber es gibt auch noch Gemeinschaften die sehr naturverbunden sind und es auf dem klassischen Wege machen. Mit jeder Zelle wird das Paar mehr zu einer Einheit Medina", flüsterte er den letzten Satz und Finger für Finger fanden unsere Hände wieder zueinander.
Mir stockte für einen Moment der Atem und dann küssten wir uns innig.
„Das klingt wunderschön", flüsterte ich, „Das wünsche ich mir für uns."
Arvid lächelte verträumt:„Ich auch." 
Dann schüttelte er den Kopf und fuhr plötzlich wieder sachlich fort:„Also beim klassischen Weg müssen Verwundungen an den Lippen vorliegen, deswegen fand Lucas einen normalen Kuss schon riskant. Ein kleiner Schnitt auf beiden Seiten reicht. Wenn man sich dann küsst gelangt die DNA in den Blutkreislauf. In den naturverbundenen Gemeinschaften lernt sich das Paar normal kennen und lieben. In einer Zeremonie wird ein kleiner Schnitt an der Lippe vorgenommen und die beiden verbinden sich. Auf diesem Weg reagiert der Körper des Menschen erst im Schlaf und es soll ein wunderbares Gefühl sein." Arvid grinste mich an und unendliche Liebe breitete sich in mir aus. Wie gerne würde ich mit ihm so verbunden sein.

„Wollen wir einkaufen gehen?", fragte ich ihn wenig später in unserem Unterschlupf. Es war eine Höhle, die wir mit einer Plane vor dem Eingang witterungsbeständig gemacht hatten. Es war wirklich gemütlich und im hinteren Bereich hatten wir uns ein Bett mit Decken, Isomatten und einer Luftmatratze gebaut. Unser kleines Nest.
„Gerne. Was wollen wir heute auf dem Gaskocher zaubern?", scherzte er und fasste mich fest um die Hüften. 
„Hm schauen wir Mal was der Hofladen hergibt", lachte ich und schnappte mir meinen Jutebeutel.

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6 Jahre #Justme1