Kapitel einundzwanzig #Extralang

 


Arvid wartete schon unten in der mit Kerzen erleuchteten Eingangshalle als ich aufgeregt, zitternd die Stufen der breiten Treppe hinunter schritt. Ich klammerte mich mit einer Hand an das Geländer und achtete konzentriert darauf nicht zu stürzen. Als ich hinunter blickte sah ich Arvids strahlendes Gesicht und ich musste glücklich lächeln. Er sah so unglaublich gut aus in seinem schicken weinroten Anzug und dem schwarzen Hemd. Als ich un losten ankam küssten wir uns zur Begrüßung und ich vernahm eine Unruhe und Aufregung in der Gruppe aus Gästen,  welche aus vielen Dayas und ihren Partnern bestand. Aber auch menschliche Freunde von Lucy waren dabei. Als ich aufblickte sah ich den Grund für ihr unruhiges Verhalten. Lucas war zu der Treppe gekommen und blickte hinauf zu Maja, die elfengleich hinunter kam.

Es tat weh, dass die ganze Aufmerksamkeit nur auf sie gerichtet war. Hinter ihr kamen wie zwei Schatten die wunderschöne Nele und die hübsche Eva, doch keiner beachtete sie. 
Als Maja unten bei Lucas angekommen war gab Lucas ihr einen Handkuss und Maja machte einen vornehmen Knicks. Die Menge applaudierte und elegant drehte sich das Paar zu uns um. Höflich winkten sie den Gästen zu und lächelten verhalten. Es war eine zurückhaltende Freude und es wirkte so, als wären sie ein Königspaar, dass ihrem Volk zuwinkte.
Eva wirkte sehr verwirrt und kam mit Nele und Ludwig zu uns.
„Die zwei sind ja gruselig. Wie so ein Roboterpaar", kicherte meine beste Freundin aufgeregt.
„Ja finde ich auch. Wirkt sehr unsympathisch aber ist so üblich. Medina du hättest dich auch so präsentieren müssen, dass wurde lange mit Maja besprochen und geplant", sagte Arvid und drückte fest meine Hand. Nele stimmte ihm zu und blickte über die Köpfe der versammelten Gäste hinweg.

Aufgeregt stupste sie dann Arvid auf die Schulter und flüsterte leise: „Lucy geht rein. Lucas folgt ihr schon Arvid! Komm ihr müsst hinter ihnen laufen. Ihr seit an dritter Stelle! Komm!" 
Arvid wirkte nicht sehr begeistert. Ich wusste schon, dass er die Aufmerksamkeit hasste, was auch an seinen Erlebnissen in der Vergangenheit lag. Wenn du fünf Jahre lang als präsentierbarer Mann arbeiten musstest, ist es sehr unangenehm von lauter Menschen angestarrt und bewertet zu werden. Ich drückte feste seine Hand und lächelte ihm aufmunternd zu.
„Ich hasse das", seufzte er und lächelte den Gästen künstlich freundlich zu. Doch es wurde nur sehr vereinzelt zurück gewunken und gelächelt. Als wir an einer Gruppe mit jungen Daya Frauen vorbei gingen hörte ich schon das erste Getuschel: „Ist das nicht die Ex von Lucas? Gott wie konnte sie nur den Arvid wählen! Klar ist er heiß und ein General aber Lucas ist doch viel höher gestellt! Was hat die denn gemacht?!"
Es brachte mich kurz aus der Fassung und ich blickte betroffen zu Boden, was eine blonde Daya auch gleich kommentierte: „Oh und unsicher ist sie auch noch. Warscheinlich war sie der Position an Lucas Seite nicht gewachsen." Die Frauen kicherten laut und Arvid legte liebevoll einen Arm um mich.
„Lass sie reden mein Schatz", flüsterte er und küsste mich sanft auf die Wange, „Ich liebe dich und wir werden ein schöneres Leben haben. Denke immer daran." 
Ich strich ihm sanft über den Rücken und er lächelte mich an.

Wir gingen Hand in Hand durch die großen Flügeltüren in einen riesigen Saal mit verspiegelten Fenstern an den Wänden, einem riesigen Kronleuchter an der Decke und einer langen Tafel die um den ganzen Saal herum reichte. Ich suchte unsicher die Platzschilder nach unseren Namen ab und erkannte, dass wir direkt bei Maja und Lucas sitzen würden. Neben mich setzte sich auch noch Tante Mary! Ich fühlte mich sehr sehr unwohl. Eva und Nele setzen sich viel viel weiter weg von uns hin.
„Komm wir wollen es genießen. Das gute Essen und das Tanzen. Ich wette beim Tanzen werden alle auf uns schauen. Du bist eine fantastische Frau Medina und hör gar nicht auf die anderen.", sagte Arvid leise und legte unter dem Tisch sanft seine Hand auf meinen Oberschenkel.
Das Essen war tatsächlich fantastisch und Mary zeigte mir unglaublich süße Ultraschallfotos von ihrem zukünftigen Baby. Sie war nun schon im 5. Monat. Sie war nun viel freundlicher als noch als Schulkrankenschwester und wir unterhielten uns gut. Arvid führte eine oberflächliche Unterhaltung mit Lucas über das Militär aber auch über ihre frühere Schulzeit in verschieden Jahrhunderten.

Maja lächelte die ganze Zeit höflich und redete leise mit Lucy über Modedesign. Sehr uninteressant. Lucas blickte kurz zu mir und ich musste an all seine Familienfeiern denken an denen ich seine Begleitung war. Die zahlreichen Weihnachten, Geburtstage und viele mehr. Ich war seine Nummer eins obwohl wir nicht Mal ein Paar waren. Jetzt war es Maja die mit Lucy und ihm lachte. Ich liebte Lucas nicht mehr aber die Tatsache, dass ich den Status in der Familie verloren und dass hinter meinem Rücken schlecht geredet wurde, machte mich etwas wütend und traurig.
Doch kurze Zeit später merkte ich, dass ich in der Gesellschaft trotzdem einen hohen Status hatte, oder besser gesagt Arvid

Mein Freund küsste mich sanft auf die Stirn und verabschiedete sich in ein sehr wichtiges Gespräch wegen seinem Job. Wir hatten schon auf der Fahrt darüber geredet, dass er wieder in seinen Job einsteigen wollte. Er hasste die Gemeinschaft aber er vermisste seine Kameraden und seine Arbeit als Soldat. Er mochte wieder Menschen retten. Ich war nicht sehr begeistert gewesen von seiner Idee aber ich verstand, dass er nicht von dem Familiengeld leben wollte und ein eigenständiges Leben haben wollte.
Die Chefin der Armee war auch auf der Feier und er wollte mit ihr über seine Zukunft verhandeln. Unser Ziel war eine Stellung in Europa. Dort könnte ich in der Nähe studieren.
„Willst du wirklich einen Soldaten der jeden Moment sterben kann als Verbindung?", stichelte Maja von der Seite, doch ich blieb ganz gelassen.
„Ich bin froh, dass ich nicht die Verbindung mit Lucas eingehe. Er steht ja nicht Mal auf eigenen Beinen! Alles teilt er mit seiner Mutter!" 

Maja verschränkte ihre Arme vor der Brust und zischte: „Du bist doch nur neidisch auf mich! Jetzt bin ich seine Nummer eins!"
Ich lachte kalt: „Du bist nur seine Nummer eins geworden weil er MICH nicht haben konnte! Weil ICH ihn abserviert habe! Weil ICH keinen Bock auf die Verbindung hatte! Sonst hättest du nicht das Leben hier! Du musst mir danken!" 
Abfällig trank ich einen Schluck Weißwein. Ich sah wie Maja zu ihrem Essen hinunter blickte. Ich hatte sie hart getroffen und Genugtuung breitete sich in mir aus.

Die Musik begann wenig später zu spielen und Arvid war noch nicht zurück. Alle drehten sich auf der Tanzfläche und ich redete in der Zeit mit Eva und Nele über die Geschehnisse mit Maja. Eva wurde von einem hübschen arabischen Geschäftsmann zum Tanzen aufgefordert und ich war bald alleine. Wo blieb Arvid nur?
Unruhig blickte ich in die Menge bis plötzlich Lucas vor mir stand.

„Ich bitte dich um einen Tanz Medina. Bitte nur diesen einen", forderte er mich mit diesem schiefen Lächeln auf, dass ich immer bei ihm geliebt hatte. Doch jetzt zweifelte ich:„Lucas ich kann nicht. Was ist mit Maja und Arvid? Das sind jetzt unsere Partner." 
Er schüttelte den Kopf: „Komm lass uns das für den Tanz vergessen. Alles was zwischen uns passiert ist okay."
Ich schüttelte den Kopf, doch er lachte nur und zog mich auf die Tanzfläche.

Alle drehten sich zu uns um und unsicher begab ich mich in die Walzer Position. Die Musik begann zu spielen und ich blickte in Lucas lächelndes Gesicht. Warum wollte er mit mir tanzen?
„Du bist die beste Tänzerin hier", flüsterte er, „Mit dir macht es am meisten Spaß." Ich war wie versteinert. Alles in meinem Körper sträubte sich gegen diesen Tanz, doch die ganzen Blicke der neugierigen Zuschauer fesselten mich an Lucas.
Er drehte sich mit mir über die Tanzfläche und ich dachte an mein 14 Jähriges Ich, das am liebsten den ganzen Tag mit ihm im Tanzstudio war. 
Wie sehr hatte sich unser Leben seit seinem Weggang verändert.
Ich blickte in sein Gesicht und erkannte wie fremd er mir auf einmal war. Seine Augen, seine Nase, sein Bart. Alles kam mir bekannt aber auch unbekannt vor.

Auf einmal blieb ich stehen und mir kam alles wie ein Blitz ins Gedächtnis. Es schlug alles auf mich ein: Das Hintergehen mit Maja in der Schule, das Weggehen, die Prügelei von ihm und Arvid,tote Marcus, die Vergiftung, die ständigen Lügen! Ich ballte meine Hände zu Fäusten und zischte:„Ja ich bin die beste Tänzerin aber tanze sicher nicht mehr mit dir! Du hattest deine Chance Lucas. Tanz doch mit Maja! Nach allem was du MIR und meinen Liebsten angetan hast!"
Ich drehte mich um und verließ den Saal. Im Gang lief ich gegen Arvid und schlang sofort meine Arme um ihn. Er durfte mich nie nie mehr los lassen.
„Lucas hat mich auf die Tanzfläche gezogen. Ich will ihn nicht mehr sehen Arvid", schluchzte ich und Arvid strich beruhigend über meinen Rücken.
Mein Partner flüsterte: „Ich kläre das. Ich hatte gerade auch ein Gespräch mit Kamit und das erste Mal was positives erfahren.
„Und was?" Fragend blickte ich in sein lächelndes Gesicht.
„Das siehst du gleich." Grinsend führte er mich zurück in den verspiegelten Saal. Direkt zu Lucas.




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