Kapitel neunzehn
Er hatte, außer dem schicken Himmelbett, alles modernisiert. Eine riesige Bücherwand stand neben einem weiß glänzenden Schreibtisch mit iMac. Große Fenster ließen einen auf den hell erleuchteten Park blicken und über eine gläserne Türe konnte man auf einen wunderschön umrandeten Balkon gehen. Ich fühlte mich wie in einem Märchen!
„Jetzt bin ich wirklich eine Prinzessin", flüsterte ich und blickte mich ungläubig in dem Zimmer um, dass auch noch von einem glitzernden Kronleuchter erhellt wurde.
Ich setzte mich erfürchtig auf das blau bezogene Himmelbett und Arvid öffnete unbeeindruckt seine Reisetasche. Wir waren ausgiebig einkaufen gewesen bevor wir hier im Schloss ankamen. Unterwäsche, Shirts, Hosen...all diese Dinge waren auf der Flucht für uns wenig wichtig gewesen. Hier waren sie aber schon nötiger.
Ohne nur mit der Wimper zu zucken zog er sich Hose und Hemd aus und setzte sich neben mich.
„Alles gut süße", säuselte er und ich nickte. Liebevoll strich er über die Kette um meinem Hals. Die Kette die er mir zum Geburtstag geschenkt hatte. Ich hatte sie endlich nach der Zeit in der Natur wieder umgetan.
Intensiv begann er mich zu küssen und ich ließ mich von ihm in die Kissen drücken. Es war wirklich wunderschön mit ihm. Ich liebte ihn so sehr. Wärme breitete sich in mir aus und ich spürte es war mehr als die Male zuvor. Vorsichtig zog ich mich zurück.
„Was ist Schatz?", erkundigte er sich schwer atmend und am liebsten hätte er mich gleich nochmal geküsst.
Ich stotterte unsicher:„Es ... es fühlt sich anders an ... wärmer und ... mehr ..."
Arvid strich mir über die Wange und küsste mich.
„Das ist normal Medina. Unsere Beziehung wird enger. Ich will nicht über Verbindung und so was reden. Es ist alles normal und natürlich Schatz."
Ich nickte langsam und konnte mich wieder entspannen.
Am nächsten Morgen fühlte ich mich immer noch wie in warme Watte gepackt und als ich mich enger an Arvids Brust kuschelte schlug mein Herz viel schneller.
Ich wusste einfach, dass wieder etwas neues zwischen uns geschehen war.
Vorsichtig schälte ich mich aus der Bettdecke, die er wieder eng um mich gewickelt hatte. So liebte ich es seit unserer Flucht. Es gab mir Sicherheit.
Dann tappste ich leise und nur in einem kurzen Pj gekleidet aus dem Zimmer. Die alte Türe knarkste als ich sie öffnete und ich schloss sie ganz vorsichtig hinter mir.
Auf der Suche nach einem Bad zum Duschen öffnete ich eine Türe nach der anderen und sah verschiedene leer stehende Räume aber auch kleine Wohnzimmer, Schlafzimmer und ja endlich ein Badezimmer.
Der Raum war auch mit bis zum Boden reichenden Fenstern, welche ich allerdings mit weißen Vorhängen bedecken konnte. Zum Glück!
Ich schaute mich in dem kleinen viereckigen Raum um und entdeckte ein Regal voll mit verschiedenen Duschschäumen und -gels. Es waren lauter hochpreisige Marken und ich suchte mir eine meiner Lieblinge aus. Die Dusche war offen und sehr geräumig. Erinnerte mich an einen bestimmten Netflixfilm mit einem italienischen Maffiaboss.
Vorsichtig drehte ich an den verschiedenen Knöpfen der Amatur und heißes Wasser strömte über mich. Hach wie lange war ich nicht mehr in so einer luxuriösen Dusche gewesen. Regen und Massage in einem *_* Wahnsinn!
In dem Zeltdorf gab es nur zwei Duschzelte. Eines für Frauen und eines für Männer. Auch schön kuschelig warm aber nicht so toll wie diese super Dusche!
Genüsslich rieb ich mich mit dem Duschgel ein und ich wollte gar nicht mehr raus aus der Dusche als es plötzlich klopfte.
„Medina bist du da drin?", fragte Nele und ich rief: „Ja ich komme gleich!"
Ich kuschelte mich in einen flauschigen Bademantel und setzte mich mit Nele in einen kleinen Salon mit Sofas und Sesseln. An den Füßen hatte ich flauschige Kuschelsocken.
„Ah endlich Mal alleine chillen", seufzte Nele und reichte mir einen Kaffee aus einer Pad Maschine, die auf einem goldenen Servierwagen stand.
„Oh ja. Wie ich so einen entspannten morgen vermisst habe. Was ist das für ein Raum? Hier auf dem Stockwerk sind viele", fragte ich neugierig und Nele deutete auf ein Schild an der Wand, welches neben einem Portrait hing.
Auf dem Bild war ein dunkelhaariges Mädchen mit schwarzen langen Locken zu sehen. Sie trug ein hellgrünes Kleid und lächelte freundlich.
Daneben stand: Madlene von Kirschbaum an ihrem 10. Geburtstag gemalt von ihrem Vater Omar
Ich blickte fragend zu meiner Freundin und Nele fügte hinzu: „Sie war eine Schwester von Lucas. Seine einzige leibliche Schwester. Sie starb mit 10 Jahren als Lucas 14 war. Jedes Zimmer hier oben ist von einem von Lucas Geschwistern. Alles Kinder von Lucy. Wie Arvid auch. Früher war das hier das Winterschloss der von Kirschbaums."
Bedrückt blickte ich mich in dem grün tapezieren Raum um und sah an der Decke Schmetterlinge durch Blumen fliegen. Ein wunderschönes Deckengemälde.
„Tante Mary, Lucas und Lucy sind die einzigen die sie kennengelernt haben", seufzte Nele, „Sie weinen auch 490 Jahre später noch an ihrem Geburtstag."
Unsterblichkeit ist schon scheiße. Vor allem wenn die Kinder eher sterben als die Mutter.
„Lebt noch ein Kind von ihr? Außer Lucas und Arvid?"
Nele nickte: „Es leben noch Arvid, Lucas und Anita."
„Anita?", fragte ich überrascht.
„Ja sie ist 70 und kommt heute auch zu der Feier", sagte meine Freundin knapp.
Ich war sehr überrascht. Von ihr hatte Lucas noch nie was erzählt und auch Arvid nicht.
„Krass eine 70 jährige Schwester", murmelte ich und blickte zu Madlene die freundlich auf uns hinunter lächelte.
Dann sah ich zu Nele. Ich hatte vergessen, dass sie auch schon über 500 Jahre alt war. Sie wirkte jetzt traurig.
„Ich hatte auch Geschwister", seufzte sie und sah traurig aus dem Fenster, „Wir waren nicht so reich wie Lucas Familie. Wir waren eine einfache Handelsfamilie in München. Lebten in einem dunklen Stadthaus. Mama war nie so angesehen als Daya gewesen und Papa war eben Händler. Ich hatte trotzdem 8 Geschwister. Ich war die einzige Unsterbliche. Meine älteste Schwester wurde 40. Ich habe so viele Krankheiten, Kriege und Umweltkatastrophen überlebt Medina. Meine ganze Familie nicht."
Ich schluckte überfordert und nahm ihre schlanke, schöne Hand. Krass was sie alles in ihrem Leben schon erlebt hatte. Wir sahen nun beide traurig aus dem Fenster und sagten kein Wort. Der Park sah so schön aus und ein Gärtner hängte schon Lampions für den heutigen Abend auf.
Wir beobachteten ihn ruhig und plötzlich flog hinter uns die Türe auf und eine aufgeregte Maja platzte in den Raum. Sie war schon top gestylt und blickte uns mit großen Augen an. „Was ihr seit noch nicht fertig! Jetzt aber schnell wir müssen doch in soooo viele Geschäfte und bis nach München fahren!" Sie war ganz unruhig und stöckelte auf und ab.
Gechillt standen wir Freundinnen auf und gingen langsam aus dem Zimmer.
Nele drückte freundlich Majas Hand: „Sei nicht so aufgeregt wegen heute Abend. Lucas Familie ist voll okay."

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