#Adventskalender #11.Türchen #Kapitel25
Ich brauchte mehrere Tage um mich in der Zeltgemeinschaft wohl zu fühlen. Auch die Orientierung in den engen Zeltgassen fiel mir sehr schwer. Ich war wochenlang mit Arvid alleine in der Natur gewesen und auf einer prachtvollen Feier. Da war das totale Leben in einer Gruppe schon was anderes.
Wir teilten das Essen und die Freizeit komplett! Die Menschen waren sehr freundlich und höflich. Immer wurde ich nach meiner Meinung und meinem Empfinden befragt. Was allerdings auch irgendwann nervte. Ich war schon ein sehr sozialer Mensch aber dennoch auch Mal gerne alleine.
Am Morgen diesen Tages, wir waren seit einer Woche von der Feier wieder da, stand ich vor Sonnenaufgang auf und schälte mich neben Arvid aus dem Schlafsack. Unser Zelt war sehr spartanisch, da wir nicht wussten wie lange wir bleiben würden.
Wir schliefen auf dicken, zusammenklappbaren Matratzen und unsere Kleidung lagerte in zwei Metallkisten in einer Ecke. Es war ein kleines, weißes vier Personen Zelt aber für uns reichte es komplett.
Ich schlüpfte in ein weißes Leinenkleid und zog noch eine Strickjacke darüber. Meine Füße blieben barfuß. Ich liebte es das Gras unter meinen Füßen zu spüren und jetzt Anfang Juli war es angenehm warm, schon um diese Zeit☀️
Vorsichtig schlich ich mich hinaus und sah nur wenige Menschen zwischen den Zelten. Die meisten waren aus der Küche.
Ich lief hinunter an den Sandstrand und tapste glücklich in das seichte Meerwasser. Es tat so gut einmal niemanden um mich herum zu haben. Seit Marcus tot war ich niemals alleine gewesen. Immer war Arvid oder eine Freundin bei mir gewesen. Leise rauschten die Wellen an den Strand und ich sah die Sonne am Horizont rot aufgehen, während ich mich in den Sand setzte und die Wellen meine Beine umspielten.
Arvid hatte mir am Abend erzählt, dass er erst wieder arbeiten gehen würde, wenn unsere Verbindung sicher wäre. Wenn alles sozusagen abgeschlossen wäre. Davor wäre es ihm zu riskant, hatte er gesagt. Zum Glück hatten wir beide noch viel Erspartes. Wir wussten beide nicht, wie lange es noch dauern würde.
Ich dachte gerade besorgt an Arvids Arbeit als Soldat, als Capian, sein bester Freund, sich neben mir niederließ.
„Was machst du hier?", fragte er und grub seine Füße in den Sand.
Ich blickte hinaus auf das Meer und antwortete zurückhaltend:„Ich will etwas Ruhe haben um einen klaren Kopf zu bekommen. Ich habe in den letzten 3 Monaten mehr erlebt als in den letzten 18 Jahren."
Capian verstand mich und meinte:„Ja das Leben in einer Welt voller Dayas ist nicht gerade einfach. Aber mit Arvid wirst du glücklich sein."
Ich blickte wieder auf das Wasser und natürlich bemerkte der beste Freund meines fast Ehemannes meine Unsicherheit.
„Was ist los mit dir? Ihr seit doch immer glücklich gemeinsam Medina. Was lässt dich zweifeln? Ihr seit füreinander bestimmt."
„Ich bin so wahnsinnig jung! Ihr seid schon über 20 und habt vieles erlebt Capian! Ich war ein drogenabhängiges Schulmädchen bevor ich Arvid traf! Klar ich war ein Jahr in Amerika aber sonst? Ich habe nichts erreicht in meinem fucking Leben! Ich war immer auf Partys! Ich hatte eine Affäre mit meinem Ex! Dieser Mann ist jetzt tot! Ich bin eine gebrochene junge Frau! Wieso sollte so eine die richtige für Arvid sein?", erklärte ich mit Nachdruck meine Lage und seufzte schwer. Capian grinste zu meiner Überraschung und deutete hinter sich.
„Medina genau deswegen bist du die richtige für ihn. Er hat das gleiche erlebt wie du! Glaub mir er war genauso wie du mit 18." Ich drehte mich um und da stand Arvid. Direkt vor mir. Im goldenen Licht des Sonnenaufgangs und sah so wunderschön aus, umwerfend. Die Liebe überflutete mich wieder.
„Capian hat Recht. Er war mit mir auf der Schule und ganz ehrlich Medina ich habe schlimmere Sachen gemacht", seufzte Arvid und grinste schief, „Meine Kindheit und Jugend war fast wie deine. Ungeliebt von den Eltern versuchte auch ich etwas zu betäuben. Auch ich konnte meine Ex, Nele übrigens, nicht hinter mir lassen und habe an Silvester nochmal mit ihr geschlafen. Also wenn jemand der perfekte Mann für dich ist, dann ich."
Er zog mich hoch und küsste mich so voller Zuneigung, dass ich ihn gar nicht mehr loslassen wollte.
„Hab keine Angst süße, wundervolle Medina. Ich dränge dich zu nichts, wir lassen alles so geschehen wie es kommt. Du darfst so lange 18 sein wie du möchtest. Genieße dein Leben aber mit mir an deiner Seite."
Ich nickte und küsste ihn nochmal und nochmal und nochmal.
Ich konnte nicht genug bekommen und merkte gar nicht, dass sich etwas veränderte.
„Nie lass ich dich gehen Arvid. Bleib immer da. Versprich es mir", keuchte ich außer Atem.
Die Farben wurden bunter, das Licht heller, Arvid noch anziehender.
„Arvid! Arvid!", hörte ich Capians Stimme in weiter ferne laut rufen,„Ihr müsst aufhören! Geht auseinander! Nicht jetzt! Der Brief ist noch nicht da! Halt!"
Mit einem kräftigen Stoß schob er uns auseinander und Arvid und ich wussten gar nicht was mit uns geschehen war.
Ich landete unsanft im Sand und blickte verdattert zu Arvid, der mich genauso verwirrt ansah.
„Was war das?", keuchte ich und stand wackelig wieder auf, Arvid half mir und hielt fest meine Hand.
„Das Leute wäre eure Verbindung gewesen!", klärte uns Capian auf, „Wollt ihr euer wichtigstes Ereignis wirklich in Jogginghose und Barfuß am Strand? Ohne Genehmigung?"
Ich blickte zu Arvid, er zu mir und wir grinsten beide breit.
„Eigentlich schon", grinste mein Freund und lächelte glücklich zu mir hinunter, „Hol Clarissa und Matthias. Wir machen es hier und heute!"
Capian schüttelte den Kopf: „Das passt so gut zu dir! Lucas macht eine riesen Party mit Familie und du erledigst das in Jogginghose am Strand! Wie wäre es erst mit einem Antrag?"
Arvid ging grinsend vor mir auf die Knie und bevor er etwas sagen konnte meinte Capian genervt: „Alter ein richtiger Antrag nach Daya Tradition! Vor Zeugen!"
„Na gut Alter! Wir machen heute Abend die Verlobung und in einer Woche verbinden wir zwei hübschen uns, oder meine Süße."
Mein Herz schlug schneller als er mich wieder küssen wollte, doch Capian hielt seinen besten Freund wieder davon ab.
„Gut! Danke und bis dahin schlaft ihr in getrennten Zelten okay? Kommt gleich mit zu Clarissa", sagte er genervt und Arvid verdrehte die Augen.
„Okay", stimmten wir gleichzeitig zu und kicherten wie kleine Kinder. Ich fühlte mich wie betrunken.
Alles war so leicht, wie im Himmel.
Die dunklen Gedanken vom Morgen waren wie weggeblasen.

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