Kapitel sechzehn
Ich war gefangen in der Vergangenheit. Ich lag mit Marcus auf der Wiese im Schulpark und betrachtete die Wolken. Eigentlich war ich mir sicher ich währe tot und bei ihm im Himmel.
Ich hatte ein wohlig warmes Gefühl und fühlte mich unglaublich zufrieden.
Die Blumen waren hier noch bunter, der Himmel leuchtend blau und die Vögel zwitscherten neue Melodien.
„Wie lange bin ich schon hier?", fragte ich ihn als wir einen freundschaftlichen Spaziergang machten.
„Ich weiß es nicht. Hier vergeht die Zeit anders. Immer wenn ich wieder runter blicke ist die Zeit anders verlaufen", seufzte er, „Manchmal blicke ich in die Zukunft, mal in die Vergangenheit oder in die Gegenwart."
„Ich will immer hier sein. Will nicht mehr zurück", meinte ich und drückte seine Hand.
„Medi du kannst die Zeit nicht anhalten oder zurück drehen. Wenn du hier bleibst bist du für immer 18 aber siehst deine Freunde nie wieder und Arvid auch nicht. Außerdem ist deine Zeit noch nicht gekommen Schatz." Er klang traurig und strich mir eine Träne von der Wange.
„Ich will dich nicht nochmal verlieren", schluchzte ich und drückte ihn fest an mich.
„Du hast mich einmal verloren. Du bist noch nicht tot Medina. Bald wirst du von hier aufwachen und mit Arvid leben. Du gehst mit ihm auf den Schulball und bist bei deinen Freunden. Willst du dich nicht über Maja und Lucas lustig machen, süße? Komm." Er ermutigte mich aber wirkte selbst so verletzt.
Ich schluckte meine Tränen hinunter. „Wer hat gemacht, dass ich hier bin?"
„Lucas. Er hat aus irgendeinem verfickten Grund Gift in deinen Kaffee getan", sagte Marcus und ich hatte noch nie so einen Zorn in seinen Augen gesehen, außer als er betrunken war vielleicht.
Ich kreischte überrascht: „Was?! Wieso?!"
„Wenn er dich nicht bekommt soll dich keiner bekommen. Hast du doch schon bei meinem Tod gesehen Medina. Er ist gefährlich." Marcus schob seinen Hemdkragen etwas nach unten und ich sah seine Würgemale, „Aber es gibt einen einzigen Menschen den er mehr liebt als dich und für den wird er dich retten."
Liebe klang immer wie etwas schönes, reines, doch im Fall von Lucas war sie in Wahnsinn umgeschlagen. Einen Wahnsinn der ihn dazu brachte Marcus zu töten und mich zu vergiften.
Doch ein Mensch war ihm aus reinen Herzen wichtig: „Seine Mutter."
„Genau für seine Mutter wird er dich retten Medina. Und für Maja. Er will, dass sie in der Gemeinschaft jemanden hat den sie kennt."
Ich setzte mich mit ihm auf die Wiese und wir hielten uns fest an den Händen.
„Medina du süße. Du wirst jetzt jede Sekunde aufwachen. Ich will, dass du weißt, dass...", er zögerte und blickte mir tief in die Augen.
Ich hatte seine Augen so vermisst, ich hatte ihn so vermisst.
„Was soll ich wissen Marc?"
„Wenn du einmal stirbst habe keine Angst davor. Es ist wie fliegen, du musst es nur nicht lernen. Du bist in dem Moment wie eine Pusteblume die mit dem Wind schwebt", sagte er ehrlich und ich umarmte ihn ganz fest.
„Ich werde keine Angst haben. Ich weiß ja wer auf mich wartet", flüsterte ich ihm ins Ohr und er lächelte liebevoll.
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