Kapitel siebzehn

Ich öffnete ängstlich meine Augen und als erstes sah ich Lucas der mit verschränkten Armen vor meiner Liege stand. Verwirrt drehte ich meinen Kopf und erblickte Arvid der mit Tränen in den Augen meine Hand nahm und sich neben mich kniete.
Neben ihm war ein Fremder mit Pferdeschwanz und ein Arzt, was ich an dem Mundschutz und den Handschuhen erkannte. 
„Du lebst", flüsterte Arvid und strich mir liebevoll durch die Haare, „Baby du lebst." Er küsste mir auf die Stirn. Erschöpft schloss ich dich Augen und klammerte mich an seine Hand.
„Medina bin ich froh", hörte ich da plötzlich eine laute, hohe Frauenstimme und neugierig öffnete ich meine Augen einen Spalt. 
„Maja?", fragte ich mit leiser, unsicherer Stimme.
„Ja sie ist da. Sie und Lucas haben dir ein Medikament gebracht", erklärte Arvid liebevoll, „Möchtest du dich hinsetzen? Dann siehst du alles."
Ich nickte langsam und der Arzt stellte meine Rückenlehne höher.

Mein Kopf fühlte sich unglaublich leer an und ich brauchte einen Moment um mich zu orientieren.
Maja stand neben Lucas, der immer noch seine Arme verschränkte. Beide sahen sehr ernst und erwachsen aus. Sie trug ein Business Kostüm und er Chino Hosen und ein Poloshirt. Wie ein richtig reiches Paar, was sie ehrlich gesagt auch waren.
Neben ihnen stand eine Frau mit Rastazöpfen und Batikkleidung. 
Neben mir hockte Arvid und als ich den Kopf drehte sah ich den Mann mit Pferdeschwanz und den Arzt.

„Wie geht es dir Medina? Du warst sehr lange fort", erkundige sich der Arzt und fühlte meinen Puls.
Ich dachte sehr langsam nach und meinte:„Ich glaube schon gut aber bin sehr erschöpft. Warum war ich denn fort? Ich war plötzlich im Auto eingeschlafen und dann in meiner Vorstellung wo ganz anders."

Lucas trat vor und erklärte bestimmt: „Du wurdest von einer unbekannten Person vergiftet und ich und Maja haben dir das Gegenmittel gebracht."
Mir kamen die Informationen von Marcus in den Sinn, welche aussagten, dass Lucas mich vergiftet hätte. Aber besser schwieg ich in dem Moment. Dann wäre Majas und seine Beziehung kaputt und ich hätte wieder Stress mit ihm.
Ich bedankte mich und drehte mich zu Arvid um ihn zu küssen. Ich hatte ihn so vermisst <3 
„Mein Schatz ich muss dir noch meinen besten Freund vorstellen." Arvid deutete auf den Mann mit Pferdeschwanz. 
„Hi ich bin Capian", stellte er sich vor und trat näher an das Bett, „Ich habe mit Arvid zusammen in der Armee gekämpft und war mit ihm auf der Akademie."
„Ah schön dich kennenzulernen. Ich bin Arvids Freundin die vergiftet wurde." Ich lächelte belustigt und schüttelte ihm die Hand.
Die Stimmung wurde wirklich aufgelockert. Das machte mich glücklich. Wir alle waren wieder zusammen.

Am Abend ging es mir schon wieder besser und Arvid schob mich im Rollstuhl zum Abendessen, welches in einem großen, offenen Zelt stattfand. Es gab Fisch mit Kartoffeln und Gemüse. Ich setzte mich vorsichtig auf eine Bank und wartete auf das Essen. Leider setzten sich auch Maja und Lucas zu uns. Aber auch Capian und der Arzt, was meine Stimmung etwas entspannte. Ich fühlte mich immer noch matschig im Kopf.

„Mama hat euch zu ihrer Geburtsfeier eingeladen. Ihr könnt morgen mit uns mitkommen", meinte Lucas und Arvid stellte mir das Essen hin, „Wir feiern in einem wirklich schönen Schloss von uns in Bayern."
Ich blickte zu Arvid und er zuckte mit den Schultern. 
„Okay aber nur wegen dem Schloss", seufzte ich und Maja grinste breit. Sie war wohl erleichtert noch jemanden zu kennen.
„Gut dann sind wir ja Mal wieder als Familie vereint", sagte Arvid sarkastisch und hüstelte gekünstelt, „Wie schön Bruderherz."
„Das freut uns wirklich sehr. Dann können wir ja auch zusammen shoppen für den Ball nächsten Monat! Ich würde sehr gerne ein Kleid mit dir aussuchen!", freute sich Maja und ich dachte an eine ewig lange Shoppingtour mit teuren Modeketten...Freude über diese Normalität breitete sich in mir aus.
Arvid blickte mich überrascht an, als ich einen kurzen Moment strahlte.
Ja Frauenklischee ich weiß! Aber ich liebte nun Mal Shopping und so scheiße Maja in manchen Situationen zu mir war, zum Shoppen war sie eine tolle Begleitung!
„Wir waren doch erst einkaufen. Auch ein Kleid für den Ball", seufzte Lucas leicht genervt.
„Ja aber Medina hat noch keines und sie braucht dringend neue Klamotten. Nach 2 Monaten Wildnis!", konterte Maja und es stimmte wirklich. Ich hatte wirklich keine schöne Kleidung hier dabei und brauchte auch dringend was neues für Lucys Geburtstag!
„Ach lass die beiden doch", lachte Arvid, „Sie werden dafür ganz fantastisch aussehen bei der Geburtstagsfeier." Er küsste mich sanft auf die Wange und ich war nach langer Zeit wieder glücklich.

Ich war am nächsten Morgen sehr traurig das Zeltdorf zu verlassen. Ich hatte es ja noch gar nicht richtig erkundet. Aber Arvid versprach, dass wir nach der Feier wieder kommen würden.
Wir fuhren mit dem Auto zu Lucys Schloss. Ich mit Arvid in unserem und Lucas mit Maja in seinem Auto.

Nach einer sehr sehr langen Fahrt fuhren wir durch eine lange Allee aus alten Eichen, es war mittlerweile Nacht, durch ein großes Tor und parkten auf einem hell beleuchteten Platz aus Kopfsteinpflaster. 
Ich konnte in der Dunkelheit ein großes, weißes, Gebäude erahnen. 
„Tadaaa willkommen in meinem Zuhause. Ich freu mich, dass ich dich meiner Familie vorstellen kann", witzelte Arvid und öffnete mir die Beifahrertür.
„Ja gerne", lachte ich, „Die kenne ich noch gar nicht."
Ich hatte mir ein lockeres Sommerkleid unterwegs gekauft. Weiß, bisschen über die Knie und mit etwas spitze unten am Rock. 
Dazu weiße Sandalen mit etwas Stöckel. Die dunklen Haare fielen mir lockig über die Schultern.
Arvid grinste mich breit an und zog mich an sich.
„Du wirst alle verzaubern", flüsterte er und küsste mich lange und innig.
Wir gingen zum prächtigen Eingangsportal und drückten auf die Messingklingel.
Doch es öffnete nicht Lucy die Türe, sondern ein Diener mit krausen grauen Haaren und einer kleinen Brille.
„Guten Abend Herr Arvid und Fräulein Medina. Hoffe sie sind gut angekommen", begrüßte er uns.
Arvid lächelte freundlich und wir schüttelten ihm die Hand.
„Sehr gut. Danke Adam. Kannst du bitte unser Auto in die Garage fahren und bitte bringen sie unsere Taschen in mein Zimmer", antwortete mein Freund förmlich und Adam nickte.
„Natürlich Herr Arvid. Ihre Mutter ist schon mit den ersten Gästen im Salon."
Wir bedankten uns höflichst und hängten unsere Jacken in eine Garderobe, die größer war als mein Kinderzimmer.

Als wir den Salon betraten fielen uns als erstes Maja und Lucas, die neben Lucy saßen, auf. Aber auch Nele war mit ihrem Freund Ludwig gekommen.


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