Kapitel siebenundzwanzig

 

Ich stand in dem Zelt, in welchem ich seit einer Woche fast die ganze Zeit verbracht hatte. Ohne Medina. Vor einem kleinen Spiegel richtete ich meinen Anzug zurecht und nervös knetete ich meine Hände.
Gestern war noch das Ergebnis vom Arzt gekommen. Die Verbindung stand wirklich kurz bevor und wir hatten immer noch 99% Übereinstimmung! Es hatte mich nochmal in dieser Hochzeit bestätigt. Wie sehr ich mich auf sie freute!

Plötzlich öffnete sich das Zelt und Lucas kam herein.
Er war tatsächlich gekommen. 
„Du siehst gut aus kleiner Bruder... kann...kann ich dir die Krawatte binden?", stotterte er und seine Hände zitterten. 
„Nein nicht nötig, das musste ich in der Gemeinschaft sehr oft tun", antwortete ich kühl. Was tat er hier in meinem Zelt und auch noch so friedlich.
„Ich...ich sollte dir viel Glück mit ihr wünschen Arvid. Ihr seit etwas ganz besonders und sicher ein neuer Stein in der Welt der Dayas. Ihr geht einen ganz eigenen Weg, ihr seit ein besonders Paar. Das bewundern alle Dayas." Erklärte sich mein Bruder und setzte sich auf einen Klappstuhl.
„Das freut mich, dass du ohne mich töten zu wollen zu unserer Zeremonie kommst", lachte ich trocken und drehte mich zu ihm um. Er sah müde, krank und unglücklich aus. Das hier war das Ende seiner Hoffnung Medina zu bekommen. Klar er hatte Maja, aber sie war nicht Medina.
Lucas räusperte sich und erhob sich wieder. „Ich bin nicht nur als dein Bruder hier, sondern auch als dein Chef beim Militär. Ich muss dir auch unerfreuliche Dinge sagen mein Bruder."
„Aha und welche wären das Lucas?", hakte ich genervt nach und richtete meine Haare mit Gel zurecht.
So lange wie jetzt waren sie schon sehr sehr lange nicht mehr.
„Du musst nach dem Abschlussball zurück in die Armee, du hast mit Kamit ausgemacht nach der Verbindung steigst du wieder ein. Sie gewährt dir noch den Ball aber länger konnten Lucy und ich nicht rausschlagen." Das erste Mal sah Lucas so aus, als täte ihm eine Sache wirklich leid. Trotzdem war ich wütend. Schon eine Woche nach meiner Hochzeit war der Ball und dann musste ich am selben Tag in der Nacht schon abreisen! Uns blieb nur eine Woche als Ehepaar, als Verbündete. 

„Lucas bitte! Das kannst du uns nicht antun, wir werden zu früh getrennt", flehte ich ihn an, doch er schüttelte den Kopf.
„Das ist nicht meine, sondern Kamits Entscheidung und du hast ihr am Geburtstag meiner Mutter zugestimmt. Es tut mir leid. Medina ist in der Zeit bei uns willkommen, bei ihren Eltern ebenfalls und sie wird ohne dich auf meine Verbindung gehen."

Ich verbarg mein Gesicht in den Händen. "Ganz ruhig Arvid, ganz ruhig, du musst gleich glücklich vor den Altar treten. Medina darf nichts davon wissen. Jetzt noch nicht", redete ich mir selbst gut zu.

„Wie lange werde ich denn eingesetzt sein? Und wo?", fragte ich genauer nach und Lucas gab mir einen Brief.
„Hier steht alles drauf. Drei Monate in Afghanistan zur Bewachung des Hauses der Gemeinschaft in Kabul." Ich öffnete den Bogen und schaute mir alles genau an. Ich hatte schon hunderte dieser Einzugsbriefe bekommen. 
Ich war ein guter Soldat aber so konnte ich kein guter Ehemann sein. Einen scheiß Job hatte ich. 
„Gut aber Medina darf es jetzt auf keinen Fall erfahren. Haben wir uns verstanden!", zischte ich und zog meine Krawatte fest.
Mein Bruder nickte und verließ das Zelt.

Jetzt war ich allein mit dem Gefühl Medina bald im Stich lassen zu müssen. Meine wundervolle Braut die vorne wartete und die ich seit einer Woche nicht mehr alleine gesehen hatte, nicht mehr gespürt hatte.

Aber uns blieb noch dieser wundervolle Tag und eine ganze Woche, inklusive einem Ball.
Ich musste positiv denken.
Ich schlüpfte in mein Jacket und blickte ein letztes Mal in den Spiegel. Ich sah gut aus.

Vor dem Zelt in der Sonne wartete schon meine Mutter und nahm mich mit Tränen in den Augen in den Arm.
„Es tut mir leid, wie ich dich all die Jahre behandelt habe. Ich bin jetzt so stolz auf dich mein Sohn. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal zwei Söhne zu ihrer Verbindung begleiten darf", schluchzte sie und ich schob sie sanft von mir weg.
„Mutter alles ist jetzt gut", beruhigte ich sie und strich ihr eine Träne von der Wange, „Ich verzeihe dir."
„Medina und du werden sehr glücklich sein, mein Sohn", sagte sie melancholisch und ich nickte zustimmend.
„Da bin ich mir sicher Mama."
Wir umarmten uns herzlich und sich hakte sich bei mir ein.
„Na dann los. Ab zu deiner Verbindung." 


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