Kapitel neunundzwanzig #Extralang
Arvid, mein kleiner Bruder, sah so glücklich aus mit Medina. Sie verließen Hand in Hand als erste das Zelt und führten die Gesellschaft zu einer großen, freien Wiese mit Tischen, Laternen, bunten Lichtern und Blumendekoration. Es war so natürlich wie die Zeremonie und mir fehlte das prunkvolle einer Verbindung in meiner Gemeinschaft. Das offizielle.
Aber zu Medina passte es ehrlich gesagt besser.
„Sie wäre mit mir nicht glücklich geworden", begann ich ein Gespräch mit meiner geliebten Maja. Wir saßen an einem der runden Tische und warteten auf den ersten Gang des Menüs. In der Hand hielt ich mein zweites Glas Weißwein.
„Vermutlich", antwortete Maja und lächelte schief, „Deswegen ist es doch gut, dass sie mit Arvid ihre perfekte Zukunft und du mit mir deine hast."
Ich nickte nachdenklich und nahm noch einen großen Schluck Wein.
„Es ist nur so. In den letzten 7 Monaten hat sich unser ganzes Leben verändert."
„Ich weiß mein wundervoller Schatz aber für mich ist das besser als jedes Leben, dass ich mir erträumt hatte," ermutigte sie mich und küsste mich über den Tisch.
In diesem Moment erhob Arvid das Wort:„Liebe Gäste, liebe Freunde und geschätzte Familie ich bin so glücklich euch alle hier zu haben. Meine wunderschöne Braut und wir können nun endlich in eine friedliche Zukunft.... blicken... ähm ja...also wir wünschen euch einen guten Appetit."
Sein gerade noch so fröhliches Gesicht war für einen kurzen Moment von einer Traurigkeit überschattet gewesen. Bestimmt wegen dem Einsatz für das Militär. Diesen Frieden gab es wohl doch nicht in Zukunft...
Arvid schüttelte kurz den Kopf, griff nach Medinas Hand und atmete zweimal tief durch. Sie flüsterte ihm etwas ins Ohr und schon wirkte er ruhiger.
Es musste hart sein zu wissen seine Braut bald alleine zu lassen aber er hielt die Fassade wirklich sehr gut aufrecht. Bemerkenswert!
Maja bemerkte es auch: „Warum war er so traurig?"
„Er muss nach dem Ball in seinen ersten Einsatz." Ich beobachtete meinen Bruder weiter, der als erstes seine Suppe bekam.
Meine Auserwählte seufzte: „Warum tust du Medina das auch noch an?"
Entsetzt schaute ich in ihr entäuschtes Gesicht.
„So denkst du von mir?!" Ich redete sehr laut und Nele und Ludwig drehte sich vom Nachbartisch zu uns um.
„Lucas ich kenn dich gut. Ich weiß auch wie du seit der Beziehung von ihr und Arvid tickst. ALSO steckst du dahinter?", tuschelte sie leise und zog ihre Hand zurück.
Ich räusperte mich:„Nein diesmal hab ich nichts damit zu tun. Ich habe nur...nicht wirklich was dagegen getan. Kamit hat ihn eingeteilt. Ich war in der Sitzung dabei und hab mich enthalten. Er kommt so nicht zu unserer Hochzeit nur sie mit Eva."
Genervt verdrehte meine hübsche Freundin die Augen.
„Weiß Medina schon davon?"
Vehement schüttelte ich den Kopf.
„Er will es ihr erst Morgen sagen wenn wir weg sind."
„Gut wenigstens wird ihre Hochzeit nicht versaut!"
Jetzt kam der Kellner mit dem Essen und meine Mutter setzte sich zu uns. Zum Glück wusste sie auch nicht, dass ihr jüngstes Kind bald wieder im Krieg sein würde.
Mutter genoss die Feier. Sie liebte Hochzeiten, es erinnerte sie immer an früher.
„Sie sind so ein wundervolles Paar", seufzte sie und beobachtete Medina die mit ihrem Vater, der neben ihr saß scherzte. Der kleine Nikolas konnte nun sitzen und aß glücklich ein paar Löffel Brei auf dem Schoß von seiner Mutter.
„Warum sitzt du nicht beim Brautpaar?", fragte Maja Mutter und beobachtete Medinas Eltern und sie bemerkte natürlich den leeren Platz neben Arvid.
Mutter wurde bisschen melancholisch: „Ach süße ich muss bei meinem Daya Kind sitzen und nicht bei den Menschen."
Da war sie wieder. Die Kluft in unserer Gesellschaft.
„Wenn du selber Kinder hast wirst du das verstehen Maja. Ein Daya Kind liebst du anders als ein Menschenkind und es hat eine andere Beziehung zu dir. Ich liebe Arvid auch aber ich möchte bei der Hochzeit nicht da oben sitzen."
Maja wurde ganz still und blickte nachdenklich auf ihre Suppe. Sie konnte es noch nicht verstehen.
Wir erhoben uns nach dem Essen. Jetzt wurde getanzt. Eine kleine Band nahm ihre Plätze ein und Medina ging elegant in die Mitte der Tanzfläche. Es war ein großes Podest aus Holz. Umgeben von einem hübschen Geländer aus Holz, mit Blumen verziert.
Langsam wurde es Nacht und die vielen Laternen und Lichter machten eine wunderschöne Atmosphäre.
Die dunkelhaarige Braut nahm unsicher das Mikro in die Hand und begann ihre Rede:
„Hi ähm...jetzt möchte ich mich, vor unserem ersten Tanz, auch bei euch allen bedanken. Jeder von euch hat etwas dazu beigetragen, dass diese Hochzeit erst möglich sein konnte. Besonderen Dank möchte ich meinen besten Freundinnen Nele und Eva zukommen lassen. Ihr steht immer hinter mir. Auch meine Eltern sind wieder ein wichtiger Teil meines Lebens geworden auf den ich mich immer verlassen kann. Jetzt kommt aber noch ein ungewöhnlicher Dank. Viele finden es warscheinlich komisch, viele kennen unsere schwierige Vorgeschichte. Lucas..."
Sie blickte mich direkt an und ich spürte wie mein Herz begann schneller zu schlagen. Was hatte sie vor?
„Lucas...du warst mein bester Freund, mein engster Vertrauter. Dann kam viel zwischen uns, ich habe mich neu verliebt in...Arvid...meinen wundervollen Mann. Ich...ich möchte mich bei dir bedanken, dass...dass du mich hast gehen lassen."
Tränen stiegen mir in die Augen und alle meine Gefühle brachen über mir zusammen. Sie hatte Recht ich hatte sie gehen lassen und es tat unglaublich weh.
Doch meine Mutter holte mich zu den Tatsachen zurück, unglaublich hart und schnell:„Sie kann sich noch an dich erinnern!"
Und als Medina mit der Rede fortfuhr bemerkten wir, nicht nur ich war nicht aus ihren Gedanken verschwunden:„Auch möchte ich hier einen Gruß an den Himmel richten. Marcus wird immer vom Himmel auf uns hinunter blicken. Er ist immer bei uns und hat unsere Aufmerksamkeit verdient. Er war sehr mutig und...ein wahrer Freund. Jetzt aber: Arvid komm zu mir. Du bist mein Licht, dass immer für mich leuchtet. Wir waren lange unterwegs, wir halten immer zusammen. Danke, dass du meine Welt, mein Licht und meine Liebe bist."
Die beiden gaben sich einen langen Kuss und ein langsamer Bachata setzte ein. Das passte zu ihnen. Die Menge jubelte und versammelte sich um die Tanzfläche. Die beiden legten eine romantische und sexy Performance hin. Medina schaute ihm tief in die Augen während sich ihre Hüften im Takt der Musik bewegten und Arvid wirkte wieder so glücklich, als sie sich in seinen Armen bewegte. Mit einer kurzen Handbewegung griff er nach ihrem Rock und mit einer eleganten Drehung löste sich dieser und es kam ein kurzer Jumpsuit zum Vorschein. Medina zwinkerte frech und ließ sich in eine Hebefigur führen. Die Menge um mich herum begann zu pfeifen und klatschte laut Beifall!
Sie bewegten sich weiter sexy zu der Musik und ich musste betreten auf den Boden schauen. Ich musste zugeben Medina war die beste Tänzerin die ich kannte und mein Bruder führte die perfekt. Zum hinknien gut tanzten die beiden. Für mich kaum zu ertragen. Natürlich endete die Performance mit einem innigen Kuss und die Menge tobte.
Ich blieb wie angewurzelt stehen, doch Maja
stupste mich neckisch und zog mich auf die Tanzfläche.
Ich war glücklich Maja in meinen Armen zu haben, sie zu halten und zu führen, dennoch wanderte mein Blick immer wieder zu dem glücklichen Brautpaar.
Medina ließ Arvid nie aus den Augen und kuschelte sich in jeder freien Minute an ihn. Mein Bruder strahlte glücklich seit seiner Verbindung und grüßte jeden Gast herzlich und bedankte sich für Geschenke und Glückwunsche.
Auch Eva und Nele tanzten freundschaftlich mit mir und als ich gerade mit Nele in der Nähe von dem Liebespaar tanzte entdeckte ich zwei Personen vor dem Zelt. Meine Mutter und Arvids Vater!
„Nele warte, ich muss wissen was da los ist", flüsterte ich und deutete auf die sich unterhaltenden Eltern.
Nele hielt mich aber am Arm fest und zischte: „Lass die doch. Sie haben sich ewig nicht gesehen."
„Aber... aber...", mir fiel jetzt kein plausibler Grund ein sie zu belauschen und in diesem Moment stellten sich auch noch Arvid und Medina zu ihnen.
Ich schnaufte kurz beleidigt und ging mit Nele zurück auf die Tanzfläche.

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