Kapitel vier

Ich dachte wenn ich schon in dieser Stadt wäre könnte ich ja gleich in der Wohnung schlafen, in welcher Arvid war.
Ich öffnete mit dem Schlüssel meiner Mutter die Türe und sah, dass vieles von seinen Sachen noch da war. Sie wollten nach Ostern, nach Marcus Party ganz normal zur Schule zurück kommen. 
Mein Bruder war immer sehr ordentlich gewesen und alles lag, hing und stand an seinem Platz. 
Neugierig ging ich durch die kleine Wohnung und öffnete alle Schubläden und Schränke ob ich etwas finden würde, was Hinweise auf seine Flucht geben könnte. Doch fand nichts außer eine Jacke von Medina. 
Es war ihre rosafarbene Lederjacke und aus einer Kollektion meiner Mutter.

Seufzend setzte ich mich auf die Couch und hielt das teure Kleidungsstück in meiner Hand.
Was sollte ich nur tun? Verzweifelt verbarg ich mein Gesicht in der Jacke und musste mehrmals ein und aus atmen, um die Tränen zu unterdrücken. Ich wollte doch nur, dass alles wie früher wäre.  Ich und Medina, ein unzertrennliches Team. Wir hatten uns immer alles erzählt, uns perfekt ergänzt und alles miteinander geteilt. Wir waren ein Team. Doch schon vor meiner Abreise hatte sich das geändert. Ich war schuld! Ich hatte mich von ihr abgewandt, hatte mit Maja eine Affäre angefangen, hatte sie belogen und dann war ich auch noch von ihr weggegangen. In der schlimmsten Zeit, denn sogar ihr Freund hatte sich von ihr getrennt. Wie konnte ich das alles gut machen?

Mein Bruder kam im richtigen Moment in ihr Leben. Sie war traurig und einsam. Ich war von ihr weggegangen, ihr Freund hatte mit ihr Schluss gemacht und Arvid war so unkompliziert.
Arvid ging mit ihr auf Partys, tanzte mit ihr, verstand sich mit ihren Freunden. Arvid war für den Moment perfekt für sie gewesen. Wie konnte ich nur so blind sein. Er selbst hatte mich davor gewarnt weg zu gehen! ER hatte mich gewarnt und dann ist genau das eingetreten was er befürchtete. Natürlich haben sie sich verliebt! NATÜRLICH!
Marcus hatte damit nichts zu tun. Marcus war nur ein Spielzeug für Medina gewesen und sie ein Spielzeug für ihn. Eine Freundschaft mit gewissen Vorzügen. Sie diente nur als Ablenkung für etwas größeres. Medina und Arvid. Arvid und Medina.
Geküsst hatten sie sich erst aus versehen, doch aufgrund der körperlichen Auswirkungen einer Verbindung konnten sie sich danach natürlich nicht mehr trennen.
Scheiße Scheiße Scheiße! Warum war ich nur von ihr weg gegangen.

Was würde ich tun wenn ich sie wirklich finde? Was? Ich konnte ja schlecht meinen Bruder umbringen und die psychischen Probleme die Medina von seinem Tod davontragen würde, wären mit denen meiner Mutter nach dem Tod meines Vaters vergleichbar. Ein unfassbarer Schock der sie für mehrere Monate lähmen würde. Da hätte ich auch keine Freude an einer Verbindung. Doch irgendwas mussten wir tun. Ich könnte sie nicht an Arvid verlieren.
Ein Kampf war wohl wirklich der einzige Ausweg, denn würde Arvid im Gefängnis sitzen, würde sie immer traurig zu ihm hinunter laufen.

Ich hoffte das Date am kommenden Tag würde mich etwas beruhigen, schließlich war Maja ja wirklich eine heiße Frau. 

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6 Jahre #Justme1